Die Hauptstadt Córdoba war eine Großstadt mit mehreren hunderttausend Einwohnern und modernster Infrastruktur.(.] Der kosmopolitischen Einwohnerschaft der Stadt standen über 2 000 öffentliche Bäder, ungezählte Moscheen mit s den daran angeschlossenen Schulen sowie umfangreiche Bibliotheken mit dem Wissen der damaligen Welt zur Ver-fügung. Die Handelsbeziehungen umfassten den ganzen Mittelmeerraum, Waren und Moden aus aller Welt kamen in Cordoba zusammen. Gelehrte, Künstler und Dichter ka-10 men von weit her und brachten ihr Wissen und Können in die Stadt. Der Ruhm der kalifalen Hauptstadt drang in alle Welt, weit über die Iberische Halbinsel hinaus. Botschafter des Heiligen Römischen Reichs und des byzantinischen Kaisers verbreiteten die Kunde von den Wundern des Kali-15 fenstaats. Die Nonne Roswitha von Gandersheim (um 935-um 975), die erste deutsche Dichterin, bezeichnete Córdoba als clarum decus orbis, die „berühmte Zierde des Erdkreises"; sie stützte sich dabei auf die enthusiastischen Berichte einer Gesandtschaft von Kaiser Orto I., die dem Kalifen in seinem20 Thronsaal die Aufwartung gemacht hatte.Nach dem Tod des großen Herrschers [Abd ar-Rahman III.(Reg. 912-961)] ging die Macht auf seinen Sohn al-Hakam II. über (961-976). [...] Seine Herrschaftszeit war die längste Friedenszeit in der 800-jährigen Geschichte von al-Andalus, 2s von keinen Kriegen oder Konflikten überschattet. Mehr als sein Vater war al-Hakam II. ein Förderer von Kunst und Wis-senschaft; seine Bibliothek umfasste nach glaubwürdigen Quellen 400000 Bände, gewiss die mit weitem Abstand größte ihrer Zeit in Europa.30 Wie viel Bedeutung al-Hakam Il den Künsten beimaß, zeigt sich daran, dass er unmittelbar nach seiner Thronbesteigung die große Moschee von Córdoba, die Mezquita [s. M3, S.95], ausbauen ließ. Diese Moschee mit ihrem berühmten Säulenwald war bereits im 9. Jahrhundert erweitert worden, 35 um der wachsenden Zahl der Gläubigen Platz zu bieten. Erst mit der Ausgestaltung durch al-Hakam Il. wurde die Mez-quita zum Kunstwerk. Die ästhetischen Vorlieben des Kalifen spiegeln sich darin ebenso wider wie sein Wille, Macht und Glanz des Kalifats in Stein zu verewigen.40 Noch ein weiteres Monument wurde von al-Hakam vollen-det: die Palastanlage Medina az-Zahra. Sein Vater Abd ar-Rahman Ill. hatte bereits 936 mit dem Bau dieser weiträumigen Anlage begonnen. [...] Medina az-Zahra (benannt nach einer Konkubine des Kalifen mit Namen Zahra, „die Blühen-45 de") liegt etwa fünf Kilometer westlich von Córdoba
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In Córdoba, der Hauptstadt der Zier,
Wo Wissen und Kunst finden ihr Quartier,
Steht die Mezquita, ein Säulenwald groß,
Ein Zeugnis von Frieden, das niemals verlos.
Al-Hakam, Herrscher der stillen Zeit,
Förderte Künste, Gelehrte, im Kleid
Von Stein und von Wissen, so reich und so weit,
Dass sein Name durch Epochen schreitet.
Medina az-Zahra, blühend in Macht,
Erstrahlt wie ein Traum aus Marmor gemacht,
Dort, wo die Geister von Weitem her kamen,
Mit Liedern und Wissen, was sie anbahnen.
Córdoba, Zierde des Erdkreises einst,
Dein Ruhm über Länder und Meer sich vereint.
Die Kunde der Wunder trägt, weit und klar,
Die Stimme der Botschafter, stark wie ein Star.