Frieden, Freiheit, Unfreiheit – LandschaftIn meinem Bild habe ich mich mit der Thematik „Frieden, Freiheit, Unfreiheit“auseinandergesetzt, die wir im 2. Semester behandelt haben im Zusammenhang mitLandschaft. Ich wollte mit dem Bild die Themen Krieg, Verlust und Unfreiheit anhanddes Völkermords an den Armeniern darstellen. Die Szene zeigt eine Mutter, die ihrverstorbenes Kind betrauert, ein Symbol für den Schmerz und die Zerstörung, diedurch Gewalt und Verfolgung verursacht werden. Im Hintergrund sind Figuren zusehen, die für die flüchtenden/vertriebenen Menschen stehen und die sogenanntenTodesmärsche symbolisieren. Die trostlose und weite Umgebung in der Landschafthebt das Gefühl von Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit hervor. Die Bergen stehen alsstille Zeugen der Vergangenheit. Sie symbolisieren einerseits Heimat, erinnernanderseits aber auch an den schwierigen Weg, den viele Menschen nicht überlebthaben. Für die Mischtechnik habe ich als Material Kohle und Fineliner benutzt, um dieemotionale Wirkung des Bildes zu verstärken. Mit der habe ich kräftigeausdrucksstarke Linien gesetzt, die das Chaos und die Härte der Situationwiderspiegeln soll. Das Arbeiten mit Kohle war für mich sehr entspannt undnachdenklich. Mich mit dem Bild emotional auseinanderzusetzen. Fehler konnte ichnicht einfach korrigieren, jeder Strich ist endgültig. Das fand ich passend und ist mirgut gelungen, das Material mit dem Thema zu kombinieren. Die Vergangenheit, dieman nicht mehr ändern kann. Das Bild ist für mich deswegen auch persönlich sobedeutsam, da ich selbst zwei Kulturen in mir trage, die diesen historisch tiefgreifendenKonflikt erlebt hat. In meinem Leben wurde ich oft sowohl von armenischer als auchtürkischer Seite für meine Herkunft kritisiert, was mich geprägt hat. Es fühlt sichmanchmal an, als würde man innerlich einen Kampf führen, als müsste man sichentscheiden, aber das will ich nicht. Ich glaube daran, dass man beide Kulturenausleben und für sich selbst einen inneren Frieden finden kann und dabei hat mir dasThema, bei der Umsetzung dieses Bildes geholfen. Ich wollte nicht nur das Leid durchKrieg, Gewalt, Schmerz und den Verlust eines Volkes zeigen, sondern auch alsZeichen für Hoffnung und Versöhnung. Das Bild ist für mich ein Ausdruck von Trauer,zeigt aber für mich auch gleichzeitig den Wunsch, aus der Erinnerung heraus Friedenzu finden, die Vergangenheit nicht zu vergessen, sondern durch das Erinnern dieMöglichkeit für Frieden zu schaffen
Gedicht Hintergrund anpassen
In tiefen Tälern, still und weit,
Wo Schatten längst vergangner Zeit
Sich auf die Landschaft niederlegen,
Erheben Berge träge Fragen,
Zeugen stumm von Schmerz und Klagen.
Die Mutter weint, sie hält umfangen,
Das Kind im Arm, das stumm vergangen.
Ihr Herz ein Echo alter Schreie,
Erschüttert von der stummen Reue,
Und Hoffnung klammert sich ans Leere.
Flüchtige Geister ziehen Spuren
Durch trostlos weite Landschaftsbilder.
Vergessenheit, die fast in puren
Farben sichtbar gar und milder,
Doch nie das Dunkel dieser Wunde heilt.
Und doch, so leise wie ein Flüstern,
Im Rauschen von entfloh'nen Blättern,
Keimt Frieden, wie ein zartes Küssen
Des Windes, der die Wunden stillt,
In der Erinnerung verwebt.
Zwei Herzen, die zu einem streben,
Getrennt von Krieg und schweren Wegen,
Doch suchen Versöhnung, Frieden weben.
So lernen wir aus alten Fehlern,
Die Freiheit neu, durch Schmerz geboren.