Ich war 6 Jahre alt, als ‚Ruess Textilreinigung‘ in Wolfsburg gegründet wurde und ich war 17 Jahre alt, als ich dort als Lehrling meine Ausbildung antrat. Ich war gut vorbereitet, denn mein Vater hatte auch eine Textilreinigung und ich stand liebend gerne nachmittags an der Reinigungsmaschine und bediente sie. Die Technik faszinierte mich. Mein Entschluss stand fest: Auch ich wollte „Chemischer Reiniger und Färber“ werden – so hieß der Beruf damals. Ein Zufall war es, dass eines Tages ein Vertreter einer Bügelmaschinen-Fabrik von meinem Wunsch hörte und spontan sagte: Da weiß ich einen erstklassigen Betrieb für Dich! Die Firma Ruess in Wolfsburg. Dort ist ein junger Betriebsleiter – sogar mit Auslanderfahrung, ich weiß niemanden, wo sie besser aufgehoben wären.Am 1. April 1961 stand ich dann morgens um 7 Uhr an der Stechuhr der Firma und wartete auf meinen Start als Lehrling. Mein neuer Chef – der Junior, so wurde er genannt, sagte: Ich schicke dich heute in die Färberei, da kannst du schon mithelfen. Ziehe deine Gummistiefel an, dann bekommst du keine nassen Füße! Gesagt getan: Ich stiefelte in die Färberei und sah zu, was der Geselle dort machte. Er streute Glaubersalz in das Färbebad, erklärte er und ich fragte ihn, welche Aufgabe dieses Salz hatte. „Ach Jürgen, sagte er, du musst nicht alles schon am ersten Tag wissen, du hast noch 3 Jahre Zeit!“ – Da musste ich mir schon hinter den Ohren kratzen und kam mir ziemlich blöd vor. – Ich war mir sicher, dass er es auch nicht wusste. Altgeselle war er, erfuhr ich später – also jemand, der es nicht zum Meister geschafft hatte.Der Junior war anders – Gott sei Dank – er war in den USA gewesen, auf einer Schule, auf der er die Technik der Fleckentfernung studiert hatte. Das gefiel mir schon viel besser, zumal er mir ein Buch überreichte mit eben diesem Thema. Es war auf Englisch – da kratzte ich mich wieder am Hinterkopf. Schulenglisch hatte ich ja gelernt, aber fachliches Englisch für Textilreiniger? Wie sollte ich das verstehen? Er beruhigte mich und sagte: „Schreib dir auf, was du nicht verstehst, ich helfe dir.“Das war doch ein Unterschied, mein Chef, der Junior, war Jung-Meister und in der Welt herumgekommen. Ich begann ihn zu bewundern. Die Bewunderung blieb - über viele Jahre – sogar bis zum heutigen Tage. Was hatte er nicht alles in dieser Zeit geschafft. Aus der chemischen Reinigung in der Poststraße zog es ihn hier ins Industriegebiet. Hier kaufte es eine Wäscherei, ein zweites Standbein sollte es sein. Und sie wurde es. Ich besuchte die Firma im Juni 2025: Aus dem Junior von damals war ein Senior geworden, seinen 90sten Geburtstag hatte er gerade gefeiert. Sein Sohn Henrik hatte längst die Stelle des Juniors ausgefüllt, ja mehr noch, er war zum Chef geworden und das was der Vater aufgebaut hatte, weiterentwickelt. Und die Geschichte kann noch weiter gehen: Henriks Sohn ist nicht abgeneigt, in die Firma einzusteigen. Das nächste Jubiläum – die 100 Jahrfeier scheint wohl gesichert.„Ruess GmbH – Mietwäsche“, ein ziemlich großer Betrieb im Vergleich zur Chemischen Reinigung Ruess, damals in der Poststraße. Welch eine Entwicklung Hans-Jörg und Henrik – ich bin stolz darauf, bei Euch als Lehrling gewesen zu sein.
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In Wolfsburg, als ich sechs Jahre zähl’,
Erstand „Ruess“, ein Ort der Wahl.
Die Textilreinigung begann ihr Sein,
Und Jahre später trat ich ein.
Mit siebzehn dann stands bereit,
Der Lehrling Jürgen, voller Freud'.
Mein Vater lehrte mich die Kunst,
Die Technik war des Herzens Wunsch.
Der Bügelmaschinen-Vertreter rief,
Und lenkte meinen Lebenspfad tief.
Zu Ruess, wo Wissen sprühend war,
Mit offenen Augen und Mund ich sah.
Der Junior, aus Amerika weit,
Stand voller Wissen, voller Zeit.
Englische Bücher, eine neue Sicht,
Erklärter mir das Fleckenlicht.
Mit Gummistiefeln in die Färberei,
Der Altgeselle sprach dabei:
„Glaubersalz“, das Wundermittel,
Doch er wusste nichts, hatte ermittelt.
Der Junior führte die Firma weiter,
Jahre vergingen, die Leiter immer breiter.
Die Chemische wurde zur Mietwäsche groß,
Zum Jubiläum stoßend stolz darauf los.
Jahr um Jahr die Tore offen,
Für die Zukunft bleibt das Hoffen.
Henriks Sohn ebenfalls bedacht,
Dass Ruess auch weiterhin Geschichte macht.
Von Lehrlingszeiten bis auf heut,
Bin ich erfüllt von Dankbarkeit.
Für all die Jahre, die sich finden,
Ein stolzes Band wird uns verbinden.