75 Jahre - Wäscherei Ruess Ich war 6 Jahre alt, als ‚Ruess Textilreinigung‘ in Wolfsburg 1950 gegründet wurde und ich war 17 Jahre alt, als ich dort als Lehrling meine Ausbildung antrat. Ich war gut vorbereitet, denn mein Vater hatte auch eine Textilreinigung und ich stand liebend gerne nachmittags an der Reinigungsmaschine und bediente sie. Die Technik faszinierte mich. Mein Entschluss stand fest: Auch ich wollte „Chemischer Reiniger und Färber“ werden – so hieß der Beruf damals. Ein Zufall war es, dass eines Tages ein Vertreter einer Bügelmaschinen-Fabrik von meinem Wunsch hörte und spontan sagte: Da weiß ich einen erstklassigen Betrieb für Dich! Die Firma Ruess in Wolfsburg. Dort ist ein junger Betriebsleiter – sogar mit Auslanderfahrung, ich weiß niemanden, wo sie besser aufgehoben wären.Am 1. April 1961 stand ich dann morgens um 7 Uhr an der Stechuhr der Firma und wartete auf meinen Start als Lehrling. Mein neuer Chef – der Junior, so wurde er genannt, sagte: Ich schicke dich heute in die Färberei, da kannst du schon mithelfen. Ziehe deine Gummistiefel an, dann bekommst du keine nassen Füße! Gesagt getan: Ich stiefelte in die Färberei und sah zu, was der Geselle dort machte. Er streute Glaubersalz in das Färbebad, erklärte er und ich fragte ihn, welche Aufgabe dieses Salz hatte. „Ach Jürgen, sagte er, du musst nicht alles schon am ersten Tag wissen, du hast noch 3 Jahre Zeit!“ – Da musste ich mir schon hinter den Ohren kratzen und kam mir ziemlich blöd vor. – Ich war mir sicher, dass er es auch nicht wusste. Altgeselle war er, erfuhr ich später – also jemand, der es nicht zum Meister geschafft hatte.Der Junior war anders – Gott sei Dank – er war in den USA gewesen, auf einer Schule, auf der er die Technik der Fleckentfernung studiert hatte. Das gefiel mir schon viel besser, zumal er mir ein Buch überreichte mit eben diesem Thema. Es war auf Englisch – da kratzte ich mich wieder am Hinterkopf. Schulenglisch hatte ich ja gelernt, aber fachliches Englisch für Textilreiniger? Wie sollte ich das verstehen? Er beruhigte mich und sagte: „Schreib dir auf, was du nicht verstehst, ich helfe dir.“Das war doch ein Unterschied, mein Chef, der Junior, war Jung-Meister und in der Welt herumgekommen. Ich begann ihn zu bewundern. Die Bewunderung blieb - über viele Jahre – sogar bis zum heutigen Tage. Was hatte er nicht alles in dieser Zeit geschafft. Aus der chemischen Reinigung in der Poststraße zog es ihn hier ins Industriegebiet. Hier kaufte es eine Wäscherei, ein zweites Standbein sollte es sein. Und sie wurde es. Ich besuchte die Firma im Juni 2025: Aus dem Junior von damals war ein Senior geworden, seinen 90sten Geburtstag hatte er gerade gefeiert. Sein Sohn Henrik hatte längst die Stelle des Juniors ausgefüllt, ja mehr noch, er war zum Chef geworden und das was der Vater aufgebaut hatte, weiterentwickelt. Und die Geschichte kann noch weiter gehen: Henriks Sohn ist nicht abgeneigt, in die Firma einzusteigen. Das nächste Jubiläum – die 100 Jahrfeier scheint wohl gesichert.„Ruess GmbH – Mietwäsche“, ein ziemlich großer Betrieb im Vergleich zur Chemischen Reinigung Ruess, damals in der Poststraße. Welch eine Entwicklung Hans-Jörg und Henrik – ich bin stolz darauf, bei Euch als Lehrling gewesen zu sein.
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Im Schatten der Maschinen, siebzig Jahre gereift,
Wäscherei Ruess, ein Werk, das Geschichte schreibt.
Im Jahre fünfzig wurd’ der Grundstein gelegt,
Als mein Herz für die Technik zu schlagen anfing, bewegt.
Mit sechs war ich fasziniert und bereit,
Die Welt der Textilien war für mich schon geweihte Zeit.
Als Lehrling trat ich ein, mit siebzehn voller Mut,
Mein Vater war mein Vorbild, sein Wissen war gut.
Glaubersalz im Färbebad, der erste Tag begann,
In Gummistiefeln stand ich da, und der Neuanfang spann.
Der Junior half mir, das Buch in der Hand,
Fleckentfernung aus fernen Landen, er lehrte mich, verbannt.
Die Jahre vergingen, der Junior wurd' alt,
Ein Senior nun, mit Wissen und Gestalt.
Henrik übernahm, mit Ehrfurcht und Flair,
Die Zeit bleibt nicht stehen, der Fortschritt ist klar.
Die Firma wächst weiter, das Erbe besteht,
Ein neues Jahrhundert, das vor ihnen steht.
Ich bin stolz, ein Teil dieses Pfades gewesen,
Wäscherei Ruess, Geschichten verwoben, im Herzen erlesen.