Ich bin als italienisches Gastarbeiterkind aufgewachsen und habe früh verstanden, dass Ausgrenzung kein Zufall ist, sondern Ordnung. Man lernt, sich anzupassen, um nicht aufzufallen – und merkt doch: Anpassung schützt nicht, sie macht nur unsichtbar. Hinter jedem Lob für „gelungene Integration“ steht die Erinnerung, dass man sie sich erst verdienen musste.Rassismus in Deutschland war nie bloß Hass. Er war Struktur, Routine, stillschweigende Zustimmung. Er steckt in Behörden, Schulen, Parteien – von rechts bis links. Man spricht von Gleichheit und meint Kontrolle, man feiert Vielfalt und praktiziert Auslese. Diese Logik hat sich nicht aufgelöst, sie hat nur ihre Sprache gewechselt.Darum kommen 20 bis 30 Prozent für die AfD nicht aus dem Nichts – weder im Osten noch im Westen. Sie sind das Resultat eines jahrzehntelangen Selbstbetrugs: der Annahme, man könne Diskriminierung verwalten, ohne sie zu verändern. Der Glaube, man sei gefestigt, während man längst müde geworden ist. Die AfD ist kein Unfall, sondern das Symptom einer Gesellschaft, die ihre eigenen Widersprüche ignoriert hat.Was früher im Stillen gedacht wurde, steht heute im Programm: ethnische Homogenität, nationale Identität, autoritäre Ordnung. Und wieder wird so getan, als sei das ein Randphänomen.Ich habe gelernt, dass man Systeme nicht durch Empörung verändert, sondern durch Klarheit. Und klar ist: Wer Demokratie will, muss sie auch gegen ihre Bequemlichkeit verteidigen.
Gedicht Hintergrund anpassen
In diesem Land, das Heimat schien,
Als Gastarbeiterkind geboren,
Hab' ich das Spiel der Masken früh erkannt,
Die Ordnung, die uns still verloren.
Anpassung lehrt die Unsichtbarkeit,
Ein unsichtbares Band der Pflicht,
Denn Integration, schwer erkämpft,
War stets ein Dienst im falschen Licht.
Rassismus, tief in Strukturen verwoben,
Nicht bloß Hass, doch kalter Blick,
Versteckt in Schulen, Parteien, Stuben,
Ein Hohn von Gleichheit – Fleck um Fleck.
Man spricht von Vielfalt, doch zählt,
Die reine Zahl, der Form gewogen,
Und AfD, kein Zufall, steht
Für jahrzehntelang Geheucheltes, ungelogen.
Wer Demokratie im Herzen trägt,
Der muss sie wachsam schützen,
Denn in der Klarheit liegt die Kraft,
Um Freiheit nicht zu stützen.
Strukturen löst man nicht mit Zorn,
Nur Klarheit kann den Wandel weck’n,
Solange wir uns selbst belügen,
Wird keiner diese Ketten spreck’n.