Ich bin als italienisches Gastarbeiterkind aufgewachsen und habe früh verstanden, dass Ausgrenzung kein Zufall ist, sondern Ordnung. Man lernt, sich anzupassen, um nicht aufzufallen – und merkt doch: Anpassung schützt nicht, sie macht nur unsichtbar. Hinter jedem Lob für „gelungene Integration“ steht die Erinnerung, dass man sie sich erst verdienen musste.Rassismus in Deutschland war nie bloß Hass. Er war Struktur, Routine, stillschweigende Zustimmung. Er steckt in Behörden, Schulen, Parteien – von rechts bis links. Man spricht von Gleichheit und meint Kontrolle, man feiert Vielfalt und praktiziert Auslese. Diese Logik hat sich nicht aufgelöst, sie hat nur ihre Sprache gewechselt.Darum kommen 20 bis 30 Prozent für die AfD nicht aus dem Nichts – weder im Osten noch im Westen. Sie sind das Resultat eines jahrzehntelangen Selbstbetrugs: der Annahme, man könne Diskriminierung verwalten, ohne sie zu verändern. Der Glaube, man sei gefestigt, während man längst müde geworden ist. Die AfD ist kein Unfall, sondern das Symptom einer Gesellschaft, die ihre eigenen Widersprüche ignoriert hat.Was früher im Stillen gedacht wurde, steht heute im Programm: ethnische Homogenität, nationale Identität, autoritäre Ordnung. Und wieder wird so getan, als sei das ein Randphänomen.Ich habe gelernt, dass man Systeme nicht durch Empörung verändert, sondern durch Klarheit. Und klar ist: Wer Demokratie will, muss sie auch gegen ihre Bequemlichkeit verteidigen.Ich bin als Kind eines italienischen Gastarbeiters und einer Deutschen aufgewachsen und kann Ihre Erfahrungen nicht teilen. Ich habe Deutschland in den allermeisten Fällen als offen, interessiert und zutiefst tolerant erlebt. Die Frage nach "meiner Herkunft" habe ich nie als Affront oder Herabwürdigung erlebt, sondern als sensible Beschäftigung mit meiner persönlichen Geschichte. "Ausländerfeindlcihkeit" habe ich nie persönlich erlebt - Angriffe gegen meinen Vater war auf "individuelle Dummheit", aber nie auf verankerten Rassismus "rückführbar". Das Aufwachsen zwischen zwei Kulturen erlebe ich heute als Bereicherung und Ursprung einer (hoffentlich) großen Toleranz: Alltagskultur als "relativ" zu begreifen prägt. Heute nehme ich meine "italienische Seite" sogar als Positivum im Alltag wahr - man unterstellt mir eine spezifische Kreativität und eine besondere "Lebensart" (die ich wahrscheinlich gar nicht habe). Ich respektiere und achte Ihre Erfahrungen zutiefst, aber ich kritisiere (in aller Wertschätzung) eine länderspezifische Generalisierung und eine richtungsspezifische Instrumentierung.
Gedicht Hintergrund anpassen
Zwischen Welten aufgewachsen, so war mein Los,
Ein Gastarbeiterkind, mit Träumen im Schoß.
Früh habe ich verstanden, dass Ausgrenzung regiert,
Nicht Zufall, sondern Ordnung, die uns oft isoliert.
Anpassung als Mantel, der unsichtbar macht,
Doch Sicherheit gibt sie keine, tief in der Nacht.
Hinter „Integration“ loben, die man verdienen muss,
Verberge sich die Mahnung, der Freiheit Entschluss.
Rassismus in meiner Welt, mehr als bloßer Hass,
Struktur und Routine, ein gesellschaftliches Fass.
Von Behörden bis Schulen, von rechts bis links,
Man spricht von Gleichheit, doch Kontrolle nur zwingt.
Die Widersprüche, sie blieben still und verdrängt,
Doch ihre Logik lebt, nur die Sprache ist umgeängt.
Zwanzig Prozent für die AfD, das kommt nicht aus dem Nichts,
Jahrzehntelanger Selbstbetrug, der Wahrheit ins Gesicht.
Ich habe gelernt, dass Empörung allein nie verändert,
Klarheit ist es, die Systeme zu anderem lenkt.
Für Demokratie zu kämpfen, trotz ihrer Bequemlichkeit,
Echter Wandel beginnt mit Mut und Klarheit zugleich.